Voodoo Hochzeit

Erinnerst du dich noch an Clave?

Nein?

Er sagte einmal zu mir: „Wir nehmen ein wenig Blut von dir und ein wenig Blut von mir und dann trinken wir es zusammen aus einem Becher. Wir müssen dabei die Arme überkreuzen, sonst klappt es nicht.“

Was klappt dann nicht?

Er wollte eine Voodoo-Hochzeit zelebrieren, mich ganz in seinen Bann ziehen. Ich spürte, er wollte alles.

Ja, er war mehr als vernarrt.

Obsessiv.

Fanatisch.

Abhängig.

Sein Blick war so schutzsuchend. Er sagte flehend: „Heil mich.“

Das war zu viel.

Am Anfang fand ich ihn irgendwie mitreißend, ich war neugierig, er war anders.

Sein nervöses Zwingern in den Augen, weil er meinen Blick nicht standhalten konnte.

Die Zahnlücke rechts oben, sein verschmitztes Grinsen. Doch am anziehendsten fand ich es, dass er verstand mir in den richtigen Momenten meinen Raum zu geben.

Aber das schlug zu schnell um.

Als sei es für ihn eine enorme Kraftanstrengung mich alleine zu lassen.

Mir selbst überlassen.

Ganz für mich.

Er verstand es nicht.

Schließlich war er überall, wo auch ich war. Nie konnte ich zehn Minuten für mich sein.

Dann diese ganzen Voodoo-Zauber, die er mit mir machen wollte und gleichzeitig war er verängstigt, was er alles mit mir machen könnte.

Er sagte: “ Nenne mir niemals deinen Nachnamen. Nenne hier in dieser Gegend niemanden jemals deinen Nachnamen.“

Ich war fasziniert.

Er war exzentrisch.

Ich war distanziert.

Schließlich ist er in der Karibik aufgewachsen und wusste wovon er sprach.

Ich konnte mich nicht weiter darauf einlassen.

Es war zu viel.

Ich musste fluchtartig die Bucht der Laguna de Perla verlassen.

Er war zu viel.

Wir zu verschieden.

Sein Voodoo-Zauber hätte fast gewirkt, fast hätte ich zu glauben begonnen.

Doch ich riss mich los und das Boot konnte fahren.

Warum muss man nur immer soweit in die Ferne schweifen, um zu erkennen wer man ist und um sich zu lösen von dem, was nur in Illusionen getränkt bleibt.

***

styxme edition

2 Gedanken zu „Voodoo Hochzeit“

Kommentare sind geschlossen.