Vom Nein der Anderen

Vom Nein der Anderen

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Wir leben momentan alle in einer sehr surrealen Welt. Die Grenzen sind geschlossen. Wir halten uns dort auf, wo wir gemeldet sind. Wir sind zurückgeworfen auf uns selbst. Dieses Ostern findet in sehr kleinen Kreisen statt und die üblichen Familientreffen fallen flach.

Um was geht es zu Ostern?

Klar Jesus ist gestorben und drei Tage später wieder auferstanden. Sie (die kirchlichen Institutionen) sagen auch, Jesus sei für uns am Kreuz gestorben.

Ich lass das so mal stehen, sonst geraten wir in eine endlose Argumentationskette und ziehen nichts Hilfreiches für uns heute heraus. Stattdessen betrachte ich mit euch diese Aussage aus philosophischer Sicht.

Der Tod ist immer ein Ende von Etwas und birgt einen gleichzeitigen Neuanfang. Etwas geht und etwas entsteht. Der Tod greift ineinander, von einem Seinszustand zu einem nächsten. Im Moment des Todes ist also alles enthalten. Das Ende und der Neuzustand. Dieser Moment ist absolute Vollkommenheit an sich. Das höchste Sein, das wir erreichen können.

Der Tod ist sehr mystisch, denn niemand weiß, was danach geschieht. Was vollzieht sich mit unserem Geist? Welchen Weg geht unsere Seele? Gibt es Wege oder ist das, was wir als Seele bezeichnen die perfekte Konstruktion aus Abermillionen Synapsen unseres Gehirns? Wenn sie ihre Funktionen einstellen, stellt sich auch unsere Illusion von Existenz ein? Wir wissen es nicht. Doch wir werden es alle erleben. Ausnahmslos.

Wir erfahren diesen Moment und erhalten Klarheit, was genau das Leben ist. Im Moment des Todes erreichen wir die vollkommenste Seinstufe aus dem Zusammenschluss vom Ende und Beginn. Der Tod ist also etwas sehr Positives. Es gibt uns die letzten großen Antworten, auf das menschliche Dasein. Wir alle erhalten sie, ganz individuell. Niemand ist im Stande zurückzukehren und die Geschehnissen unseren Lieben zu verraten. Doch jeder wird diese Erfahrung für sich machen.

Warum nun stirbt jemand für uns?

Ich habe seit Tagen diese Frage im Kopf und verstehe sie nicht. Was ist die Aussage dahinter? Wer hat sie überhaupt aufgestellt?

Ich versuche es anders.
Was stirbt für uns? Ich kann mich nicht ins Jahr 33 n. Chr. hineinversetzen. Ich weiß nicht, wie das Miteinander damals war, die Gesetze, die Kulturen. Die schriftliche Aufarbeitung Jesus geschah 300 Jahre nach seinem Tod, unter Kaiser Konstantin. Ich kann da nur erahnen, wie der Zeitgeist von einst wirkte, noch weniger kenne ich die Methoden zur Bestandsaufnahme eines Menschenlebens, das 300 Jahre zu vor existierte.

Aus diesem Grund frage ich:

Was sollte heute für uns sterben, damit ein Neuanfang gelingt?

Ich habe großen Respekt, diese Frage zu beantworten, da sie kaum allgemein zu erklären ist. Jeder hat durch seine persönlichen Erfahrungen, in seinem Umfeld, durch seine Erziehung und die prägenden Ereignisse andere Herzensangelegenheiten, die ihn zu Neuanfängen führen.

Nichtsdestotrotz wage ich es, eine allgemeine Basis zu finden, die uns alle betreffen könnte. Welche Elemente müssten vergehen, damit wir ungehindert wachsen können? Was hindert uns noch daran, das zu tun, was unser Herz uns sagt?

Ganz schnell kommen Phrasen wie, „Gewohnheiten halten uns ab!“ „Die Schubladen engen uns ein!“ „Unsere Pläne, verhindern unsere Leichtigkeit.“ All das ist wahr, dennoch haben all diese Dinge nicht den großen Lebensverändernden AHA-Effekt, nach dem wir suchen.

Wir sollten die Menschen im Übertragenem Sinne sterben lassen, die Nein zu uns sagen. Somit geschieht ein großes Ja unserem eigenen Leben gegenüber. All die abwertenden und verachtenden Menschen, die sich selbst keine Liebe schenken können, werden uns niemals Liebe geben. Sie können es nicht. Warum also noch Aufmerksamkeiten erhaschen wollen, gerade dort, wo nichts zu kriegen ist?

Beenden wir den Kampf

Hören wir auf, länger dagegen zu kämpfen, was Nein zu uns sagt. Es ist ein sinnloser Kampf.
Lassen wir all die Neins in unserem Leben sterben und widmen uns dem Ja des Neubeginns! Lassen wir auch all unsere inneren Neins vergehen, die in Vorurteilen, Ablehnungen, Verleugnungen, Eifersuchten, Dramen, Tränen, Kämpfe stecken und akzeptieren wir für den Moment die Welt so, wie sie ist.

„Es gibt so viele Einfahrtmöglichkeiten, aber die einzige Ausfahrt liegt bei dir!“, sagt meine liebe Quarantäne-Nachbarin Karoli.

Man verwendet zu viel Zeit darauf, Aufmerksamkeit von Menschen zu er haschen, die schlicht nicht Ja zu einem sagen.

Das Nein zum Nein!

Was lasse ich im Grunde sterben? All die Menschen, die abwertend und verurteilend in ihren selbst erschaffenen Gefängnissen die Welt verseuchen und aus selbstgebauten Trugbildern, Missgunst und Boshaftigkeit kreieren. Bewusst oder unbewusst. Dieser Kampf ist nicht deiner!

Lassen wir all das nun gehen, was uns nicht liebt. Woran erkenne ich Liebe? Sie ist einfach und sie ist einfach da, bedingungslos. Diese Bedingungslosigkeit wird ganz stark in schwierigen Zeiten sichtbar. Wessen Tür dann offen ist und bleibt, dessen Wertschätzung bist du dir sicher. Besonders wenn du selbst ungerecht handelst, jene die Bleiben lieben. Denn Liebe ist, ohne Verurteilung. Sie ist ganz und gar wunderbare Annahme.

Seien wir stark und konzentrieren uns auf die Menschen, die Ja zu uns sagen!

Zum Krieg braucht es mindestens zwei, zum Frieden nur einen!
Drum lassen wir all das Nein in unserer Welt ziehen und rücken das Ja Stück für Stück näher zu uns!

Auch ich habe ein großes Nein in meinem Leben gesagt und dadurch ein noch viel größeres Ja zu mir selbst! Ich nehme das Nein der Anderen nicht persönlich und lasse es bei denen, die es ausprechen. Ich betrachte es viel eher mit Liebe und sehe das Leiden dahinter.

Jene, die keinen Zugang zu ihrem eigenen Leiden haben, sind unfähig das Leiden bei anderen zu sehen.

Manches Mal ist es weiser zu gehen und der Schöpfer seines eigenen Leben zu sein. Vom Nein der Anderen zum Ja des Selbst. Und dann ganz ehrlich, sehe ich meinen eigenen Beitrag dahinten und nun endlich, habe ich mich selbst erkannt.

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Posted on: 12. April 2020styx

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