Tagebuch des Swings

Name: theodor schmidt
Alter: 39
Tätigkeit: Handschriftenhändler, tagebuch(vor-)leser
(Aktueller) Ort: Berlin

Theo kommt aus Potsdam und ist ein wahrer Detektiv. Er sammelt, recherchiert, entdeckt, findet heraus, trägt zusammen und ordnet neu. Theo ist Schriftkundler und liebt es, auf alte Tagebücher zu stoßen. Für seine Zuhörer gibt er Lesungen und produziert Hörbücher, um uns in längst vergangene Zeiten zu führen.

Fragebogen

1. Wann hast du dich dazu entschieden, dieses Leben (welches du jetzt lebst) zu leben?
Gab es dazu einen auslösenden AHA-Moment?

Im Sommer 2010 wurde ein Wörterbuchprojekt an der Freien Universität Berlin über ein Wörterbuch der Sprache von deutschen Rechtsurkunden des 13. Jahrhunderts abgeschlossen, bei dem ich einige Jahre mit Leidenschaft mitgewirkt hatte. Nun konnte ich zwar auf mittelhochdeutsch dichten, doch auf dem Arbeitsmarkt war dies nicht gefragt. Mein Studium hatte ich nicht abgeschlossen – halb im Bewusstsein, dass ich nicht den Mut haben würde, mich auf das unsichere Terrain der Selbständigkeit zu begeben, wenn ich daneben noch „Das würde ja irgendwie auch gehen“-Alternativen gehabt hätte.

Ich bewundere alle Menschen sehr, die einen sicheren Job aufgeben, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. Ich brauchte für mich das Gefühl, keine wirkliche Alternative zu haben, und die Jobs, für die ich auf dem Papier qualifiziert waren, bewirkten genau dies.

So machte ich mich Ende 2010 mit meinem Hobby selbständig – alte deutsche Handschriften. Ich begann die Manuskripte (Tagebücher, Briefe, Chroniken etc.) im Internet zu verkaufen, die ich vorher als Hobby gesammelt hatte. Ab und an lese ich auch aus einigen meiner Tagebücher in Cafés vor.

2. Was begeistert dich an deinem Tun?

Ich entdecke jeden Tag neue Geschichten bei meinen Recherchen für die Handschriften, die ich verkaufe, treibe dabei Detektivarbeit (wer hat das geschrieben?) und erlebe oft glückliche Kunden, die ihre ein nie erhofftes Unikat ihrer Familien- oder Forschungsgeschichte in den Händen halten können. Ich genieße es, meine Zeit frei einteilen zu können und selbstbestimmt zu arbeiten.

3. Was ist deine größte Angst?

Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit (rein körperlich oder auch seelisch).

 4. Wo möchtest du unabhängig sein?

Von eigenen Gewohnheiten, die ich selbst nicht an mir mag.

5. Was bedeutet für dich Freiheit?

Keine Zwänge, keine Einschränkung, aber auch keine Grenzen, keine Orientierung.

6. Was ist deine Lieblingsbeschäftigung?

Tischtennis, kreativ sein, körperliche Nähe erfahren.

7. Welches Tier wärst du gern und warum?

Homo sapiens sapiens. Ich bin sehr zufrieden damit, ein Mensch zu sein.

8. In welcher Art von Miteinander möchtest du leben?

Umgeben von Menschen, die frei von Narzissmus und Hass sind.

9. Wer sind deine drei Helden?

Ich habe keine Helden, weil für mich Heldentum so überhöht klingt, dass ich es nicht ernsthaft anstreben kann. Ich verehre prominente Menschen in vielen Bereichen. Die ersten drei, die mir einfallen: Nick Cave in der Musik, Gregor Gysi in der Politik, Greta Thunberg im Kampf um die Zukunft der Menschheit.

10. Von welchem Ereignis in den letzten zehn Jahren kannst du sagen, dass es dein Leben verändert hat (oder zumindest deinen Blick da rauf)?

Der Beginn meiner Selbstständigkeit.

11. Was wünschst du dir für die Zukunft?

Weniger innere Kämpfe, weniger Hass zwischen den Menschen, eine größere Bedeutung der Wahrheit.

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Das Tagebuch des Swings

Bruno Wallor aus Berlin-Friedrichshain ist 19 Jahre alt, als er sein Tagebuch beginnt. Sein Hauptinteresse gilt dem Swingtanz und den Frauen.
Zusammen mit seinem Bruder hat er einen Liebeskeller eingerichtet. Bruno geht oft aus. Er berichtet von den Tanzdielen an der Ecke und den glamourösen Vergnügungspalästen Berlins. Er schildert seine Tricks, günstig durchs Nachtleben zu kommen und billig an einen Kuss. Mit Liebeskummer kennt er sich bald ebenso gut aus wie mit Verhütungsmitteln. Seine Sprache ist flapsig, sein Lebenshunger groß.

Zusammen mit vielen Bilddokumenten und sechs Tanzeinlagen zu Originalmusik ergeben Brunos Notizen einen lebendigen Eindruck vom Jungsein in den letzten 30 Monaten vor dem 2. Weltkrieg.

Die Lesung ist auch als Hörbuch erhältlich. Mit Original-Musik der Zeit.

Verfügbar als Download bei amazon & audible oder als CD bei Jörg Meyerhoff (aufdenpunkt [ät] gmail.com).

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Das Swing-Tagebuch des Bruno W. / Lesung & HÖRBUCH

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