Radikale Akzeptanz

Wir fanden uns alle schon in Lebenssituation wider, die schlicht scheußlich waren. Egal, was wir versuchten, irgendwie scheiterte es permanent an banalen Dingen.
Jede Absicht wird umgedeutet, jede Erklärung missverstanden, unser Tun fehlinterpretiert und all unsere Handlungsversuche zum Teil ignoriert.

Hand auf´s Herz: Manchmal ist der Wurm drin, so sehr wir uns auch winden.

Ein ähnliches Prinzip kennen wir alle im Umgang mit bestimmten Menschen. Egal, wie sehr wir es versuchen, welchen Spielraum wir einräumen, mit welchen guten Absichten wir entgegenkommen, es wird einfach missverstanden.

Mit manchen Menschen schwingen wir auf so unterschiedlichen Frequenzen, dass wir uns vergebens abmühen und nicht im geringsten nähern. (Die Technik der Die Stimmigkeit im Anderen hilft in solchen Situationen sehr gut.)

Wessen schuld ist das?

Im Grunde gar keiner. Denn mit ziemlich großer Sicherheit fühlt sich der Andere ebenso frustriert, wenn wir in einem gegenseitigen Unverständnis hängen bleiben.

Stellen wir uns Folgendes einmal vor:

Da ist eine Kugel, die genau zur hälfte rot und zur anderen hälfte blau ist. Vor dieser Kugel stehen sich jeweils zwei Personen frontal gegenüber. Person A hat die volle Sicht auf die rote Seite, während Person B die volle Sicht auf die blaue Seite hat.

Wenn wir diese Personen nun befragen, welche Farbe die Kugel hat, bekommen wir sehr wahrscheinlich zwei unterschiedliche Antworten.

Wer hat nun Recht?

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Genau! Beide!

So ist es oft im Leben. Das Gegenüber hat in seiner Wahrnehmung genauso Recht, wie wir in unserer Ansicht. Selbst wenn die Person, welche auf der roten Seite der Kugel steht, es niemals für möglich halten würde, dass da noch eine blaue existiert und wir es schon fast als wahnsinnig abtun, auch nur im entferntesten an eine rote Seite zu denken. So existieren doch beide.

Es sind weder Täuschungen, Illusionen oder gar ein Zaubertricks am Werken. Es handelt sich lediglich um andere Perspektiven.

Wenn wir beginnen die Dinge, auf die wir keinen direkten Einfluss haben zu akzeptieren, macht uns das enorm unabhängig.

Wir können oft momentane Dynamiken nicht verhindern oder umdrehen, wir können nicht beeinflussen, wer neben uns im Bus sitzt, wir haben nur beschränkt Macht über Zufälle und auf gegenwärtig höhere Gewalten.

Natürlich können wir uns vornehmen, diese in Zukunft zu ändern, wir könnten uns im Bus umsetzen oder aussteigen. Wir sollten mit einem distanzierten Blick auf unsere Vergangenheit schauen und zuversichtlich (den Dingen zugewandt) die Zukunft betrachten.

Doch gerade jetzt, ist dieser Moment eben einfach wie er ist. (Mittels der Bedingungslosen Hingabe fällt das Akzeptieren oft leichter.)

Das momentane Jetzt annehmen

Wichtig im gegenwärtigen Augenblick ist, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen: für die eigenen Gefühle und Gedanken.

Wir können manche Dinge nicht ändern, doch unsere Reaktion auf diese, liegt bei uns.

Wir können nicht auf der roten Seite der Kugel stehen und unserem Gegenüber auf der blauen Seite Ignoranz vorwerfen oder uns gar frustriert fühlen, weil so ein Blödmann einfach nicht versteht, dass die Kugel rot scheint.

Wir sollten uns viel lieber mit der Möglichkeit anfreunden, dass es sehr wahrscheinlich eine blaue Seite gibt.  Wir sollten aus unserem toten Winkel heraustreten und das Blickfeld öffnen. Verbinden wir uns doch mit der Idee, dass es auch noch grün, gelb, lila, schwarz, diverse grau Töne, beige, weiß, bunt, schattig, blendend oder gar neblig existiert.

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Wir haben die Möglichkeit, die andere Seite zu akzeptieren, auch wenn wir sie nicht sehen. Doch die Akzeptanz, dass es da eine andere Sicht gibt, etwas, das wir selbst nicht erblicken und (be-)greifen können, lässt uns enorm frei unserer eigenen Starrheit werden. Und wer weiß, vielleicht akzeptiert das Gegenüber ja auch, dass wir eine andere Sicht auf die Dinge haben. (Das Prinzip der Polaritäten wirkt sich auch im zwischenmenschlichen aus, bis hin sogar zur Regulierung ins Gegensätzliche.)

Wir sollten uns, von unserem starren Standpunkt lösen.
Wir sollten loslassen und uns frei machen.
Wir sollten akzeptieren.

Neue Perspektiven einnehmen

Wir sollten den gegenwärtigen Moment radikal annehmen, genau so wie er ist, mit all unserem Nicht-Wissen.

Wir sollten für die Zukunft neue Blickwinkel einnehmen und betreten. Doch in der Gegenwart müssen wir nichts beschönigen oder verklären. Wir sollten es unterlassen, die Kugel auf dunkelblau/fastschwarz auszurichten, oder versuchen sie zum Oval umzudrehen, denn das sind verschwendete Mühen.

Unsere Kugel ist zur hälfte rot und zur anderen hälfte blau, mir enorm vielen Details, Schattierungen, Abstufungen, Rändern, Ecken und Nuancen.

Wir sollten aus Dingen nicht mehr oder weniger machen, als sie sind. Wir sollten die Welt genauso annehmen, wir sie uns erscheint. Und den Anderen sollten wir radikal seine eigene Erfahrung mit der Welt lassen.

Erst wenn wir die Welt akzeptieren, wie sie ist, können wir sie so ändern, wie sie sein sollte.

Von dieser Warte heraus, können wir etwas in der Zukunft kreieren. Vielleicht gestalten wir neben der blau/roten Kugel ein gelbes Oval oder ein grünes Quadrat. Das steht uns offen.

Die ganze Welt steht uns offen, wir können sie verändern, wenn wir sie zunächst radikal akzeptieren und so annehmen, wie sie ist. Erst dann haben wir etwas zum Anpacken. Denn alle ungreifbaren Illusionen und Trugbilder verflüchtigen sich beim Greifen ihrer Selbst.

Wenn wir loslassen, haben wir beide Hände frei. Und wir lassen los, indem wir radikal akzeptieren, was ist!

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