Mara’s Sinn

Mara’s Sinn

Zweites Kapitel – Sinn
[…]
Die Dunkelheit im Sinne ihres Wesens, die mit ihrer Schwärze die Stadt zur Ruhe zwängen wollte, versagte. Sinnlose Hektik, sinnfreies Geschrei und unsinniger Gesang begannen zu herrschen. Aus jedem Winkel drang ein Sog der Nacht in die hitzigen Köpfe der Ausgehwilligen ein und dieser Drang trieb durch die Straßen, wie einst ein Heer zum Angriff. Überall wehte diese Brise des Übermuts, nur dort nicht, wo Mara sich befand. Sie war nirgends.
Von der Menge umgeben und doch allein. Sie saß in einem Schlafzimmer aus klinisch weißen Wänden fest, in der Mitte ein Bett mit alter ausgewaschener blauer Bettwäsche.
Der Pappkasten mit Briefen aus früheren Korrespondenzen erinnerte sie an die schon längst erloschenen Stimmen. Selbst die Regale aus Spanplatten, die wacklig dem Boden entgegen sanken, besaßen noch mehr Kraft, als sie es verspürte.
Solche Betrachtungen ihrer Umgebung endeten meist damit, dass sie müde den Blick aus dem Fenster richtete und den alten Baum anstarrte, der sich sanft mit dem Wind wog. Stets dieser leichten Bewegung der Krone folgend, sah sie die sinnlose Ewigkeit und stellte sich eine sinnvolle Endlichkeit vor. In diesem Wippen verstand sie die Zwänge, die das Leben Auf und Ab trieben, und wünschte sich die Freiheit eines bewusst sinnvollen Lebens
[…]
Ein fortwährend verflechtendes Kreisen verwickelte sich unaufhörlich zu einer sinnfreien Phantasiespirale. Sinnlose Fragen drehten sich und sinnlose Fragen gerieten wiederkehrend tiefer in einen sinnfreien Sog aus unsinnigen Zweifeleien und zu einem späteren Zeitpunkt, gerieten diese sinnlosen Fragen fortwährend in einen sinnfreien Sog aus berechtigten Zweifeln.
In dem damals gegenwärtigen Zeitpunkt erträumte sich Mara unsinnig verwischende Szenarien. Gigantische Luftschlösser gebaut aus flehendem Wunschdenken, enthielten unsinnig leugnende Darstellungen.
[…]

Posted on: 15. August 2019styx

Ich stimme zu

Meine Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben