Mara’s Sicht

Viertes Kapitel – Sicht
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An diesem damals gegenwärtigen Moment stellte sie sich offensichtlich vor, wie das unsichtbar befreiende Nichts wäre und wie der sichtbare Tod sich wohl anfühle und was nach diesem sichtbaren Tod käme, das unsichtbare Nichts?
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Der Asphalt wirkte folglich zu nah, als es der Tod tatsächlich sein würde. Offensichtlich erleichtert zündete sich Mara eine Zigarette an, nachdem sie sich für kein normales Leben sichtbar aus dem Fenster lehnte und sie dachte offensichtlich für kein normales Leben jemals ersichtlich an den befreienden Tod: „Ob in diesem Moment Moritz ahnt, dass ich über einen Sprung nachdenke?“ Mara nahm offensichtlich kräftigen einen Zug von der Zigarette:
„Wahrscheinlich nicht. Würde es überhaupt jemanden interessieren oder würde es jemand bedauern, wenn ich jetzt springe? Klar, sie wären wahrscheinlich überrascht, aber würden sie auch wirklich trauern?“
Trotz ihrer tief vergrabenen Traurigkeit gaben ihr diese für alle normalen Leben nicht sichtbaren Gedanken ein Gefühl von Macht über ihr eigenes, zu diesem damals gegenwärtigen Zeitpunkt noch normalem Leben und somit gaben ihr diese nicht sichtbaren Gedanken offensichtlich ein Gefühl der Gelassenheit.
Gemäß ihrer Gewohnheit richtete sie ihren trostlos scheinenden Blick nach oben zu der Baumkrone des Baumes, der vor dem unnormalen Haus stand und gemäß ihrer Gewohnheit, wenn die Baumkrone sich sichtbar sanft mit dem Wind verband, verfolgte sie offensichtlich gleichmütig dem Wippen der Krone.
Ein offensichtlich zaghaftes Zittern und ein offensichtlich sichtbares Zittern, überschüttete Mara und trieb ihre Haut in ein durchzuckendes Kribbeln, denn der Abend war offensichtlich ein kalter Abend und Moritz, der dieses Zittern offensichtlich bemerkte, fragte: „Was tust du?“

Und Mara sah ihn offensichtlich überrascht an und antwortete: „Nichts.“

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