Mara’s Normalität

Erstes Kapitel – Normalität
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Mara schien dieses normale Leben zu führen. Sie war freundlich und zuvorkommend, etwas schüchtern doch nicht verschreckt. Sie war hübsch, doch nicht klassisch schön und darum auch nicht wesentlich auffallend. Sie nahm all die vom Leben vorgeschriebenen Rollen ein: als geliebte Tochter, umsorgende und geschätzte Freundin, als erfolgreiche Studentin. Sie trug das Bild einer herangehenden Frau nach außen, der alle Türen offen stehen und einer die genau weiß, wie sie diese zu öffnen hat.
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Aus diesen ersten Eindrücken heraus konnte ich nicht erahnen, an welchem Punkt sie tatsächlich stand oder bis zu welchem Punkt sie tatsächlich gehen würde. Erst später, als mir ihr gewisser Punkt klar wurde, sah ich diese vielen kleinen Punkte, auch Hinweise, die das sichtbar machten, was Mara zu diesem gewissen Punkt trieb. Doch dieser gewisse Punkt ist nicht greifbar, nicht fest fixierbar. Das Gewisse an diesem Punkt, zerstört den Stand des Punktes, lässt ihn schwimmen und darum schwammig werden.
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Der gewisse Punkt entzieht sich jeder greifbaren Instanz. Das Gewisse lässt den Punkt verrutschen. So wie auch Mara verrutscht ist. Aus einem normalen Leben in ein unnormales Leben. Der gewisse Punkt schien sie aus einem festen Standpunkt zu verrücken. Sie wurde verrückt, von einem festen Punkt zu dem gewissen Punkt.
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Heute, nachdem der gewisse Punkt längst überschritten wurde und gestern, als Mara noch das scheinbar normale Leben führte und dazwischen, als die unnormalen Punkte erreicht, und sie das unnormale Leben lebte und als die Übergänge des normalen Punktes zu den unnormalen Punkten und von den unnormalen Punkten zum gewissen Punkt überschritten wurden, verstehe ich diese Punkte erst durch mein eigenes Verrücken.
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Ein Gedanke zu „Mara’s Normalität“

  1. gestern, vorgestern, als mehr text da war in den ersten kapiteln: interessant ausgeführter einfall, solche gegensatzpaare (normal unnormal, sinnlos sinnvoll) ins spiel der ablaufenden handlung zu bringen. gute effekte stellen sich ein. die häufung, das demonstrative übernennen wird jedoch sturrstarr, hämmert stupid in den kopf das, was aufgezeigt, angeklagt u an erweiterung begehrt wird. soll die methode nerven, gar taumeln lassen den leser, funktioniert es an guter stelle. was ist noch da an text, werden die gegensatzwörter, oft als beiwörter gesetzt, nicht mitgelesen? gute probe. sprachlich ist der text im gros konzentriert, versiert. ist der behauptete prozess (hin zum unnormalen, sinnvollen also eigen-sinnig-en) lesend erlebt? bzw. über die bloße methodische nennung hinaus erlebbar geschrieben? es kann sein: die methode nimmt dem prozess sein organisches wesen. dem anspruch des weiterführenden, im zusammenhang bleibenden erzählens wird mit wille u können nachgegangen.

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