Freiheit im Wandel

TEXTAUSZUG aus FREIHEIT und die ANGST davor

[…] Im Mittelalter hielt lange die Debatte zwischen der Vereinbarkeit von Freiheit und der Allmacht Gottes an. Freiheit schloss das Freisein im eigenen Willen ein, wodurch man davon ausging, dass das Böse durch seinen freien Willen entstand.

Nach Augustinus, einem Bischof von Hippo im vierten Jahrhundert n. Chr. und Gründer des Augustinus Orden, hatte das Böse seinen Ursprung im Wollen der Menschen.

Diese Vorstellung hielt sich lange und hartnäckig und erklärt vielleicht, warum in der sogenannten schwarzen Pädagogik zum Ende des 19. Jahrhunderts, in den Kindheitstagen Hitlers, der Willen der Kinder gebrochen werden musste.

Es wurde davon ausgegangen, dass Kinder böse auf die Welt kämen und man sie mit Zucht und Ordnung zum Guten erziehen müsse. Ein einfaches Schreien des Kleinkinds galt schon als willentliche Anmaßung und Ausdruck des bösen Willens. Es gab Handbücher, in denen ausführlich beschrieben wurde, wie Züchtigungen von Säuglingen gelinge.

Das diese Zucht und Ordnung Schläge, Erniedrigungen, körperliche Gewalt, seelische Grausamkeit beinhaltet, scheint jedem klar zu sein. Welche Menschen diese Erziehungsmaßnahmen hervorbrachte, sehen wir in den beiden folgenden Weltkriegen als Resultat. Alice Miller war die erste Autorin, die über die schwarze Pädagogik berichtete und ausführlich auf deren psychologisches Erbe eingeht –Am Anfang war Erziehung.

Die freiheitliche Neuzeit

Für den französischen Philosophen Descartes, der bekannt durch seine Formel „Ich denke, also bin ich“ ist, wuchs die menschliche Freiheit mit wachsender Erkenntnis des Einzelnen heran.

Erkenntnis bringt Freiheit

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Persönliche Freiheit

Im Laufe unseres Heranwachsen, werden uns viele Entscheidungen abgenommen. Was wir essen, wie wir uns kleiden, mit welchen Menschen wir in den ersten Jahren zu tun haben und das Milieu, in dem wir uns bewegen. Wir haben kaum eine Wahl, als uns unserer Umgebung zu beugen. Diese absolute Abhängigkeit löst sich im besten Fall allmählich in unterstützender Eigenständigkeit auf.

Manche verwehren sich jedoch diesen wichtigen Schritt zur persönlichen Freiheit, da sie auf zu großen Widerstand stoßen oder sich selbst keine Eigenständigkeit erlauben. Sie bleiben gefangen in emotionaler, persönlicher oder geistiger Abhängigkeit.

Wir haben irgendwann keine Wahl mehr, eine Wahl treffen zu müssen.

Die allererste und wohl auch entscheidende Wahl ist es, eine Ent-Scheidung für uns umzusetzen. Im weiteren Sinne beinhaltet dieser Weg eine Scheidung von unseren Wohltätern – Vater, Mutter, Sippe.

Wenn wir dies nicht im Laufe unseres Lebens irgendwann einmal tun, geben wir unsere ureigenste Persönlichkeit zu Gunsten anderer und zu Ungunsten uns selbst auf. Auswirkungen davon könnte beispielsweise das Pendeln zwischen den Karrieren der Mutter und dem Vater sein, bis wir uns selbst definierten.

Gesetz dem Fall, wir kehren freiwillig, also aus unserer persönlichen Entscheidung heraus, wieder zur Sippe zurück, so ist diese Wahl eine getroffene. Doch dazu müssen wir uns bewusst entscheiden und zuvor in Distanz zu ihnen gelebt haben, um im Außen die Wahl der Rückkehr freiwillig zu beschreiten.

So ähnlich funktionieren Initiationsriten bei lateinamerikanischen oder afrikanischen Völkern. Das Erwachsenwerden, in unserem Sinne das Selbstwerden, geschieht durch eine Trennung.

Die Heranwachsenden ziehen aus, müssen eine meist lebensgefährliche Mutprobe und diverse Bewährungsproben bewältigen und reifen so zum Mann oder Frau. Bei der Rückkehr wäre es regelrecht lächerlich, wenn Mutti dem Erwachsenen einen Schal um den Hals legen würde oder die schmutzige Wäsche reinigen wollte.

Stellen wir uns einen 40-jährigen Krieger vor, der immer noch in der kleinen Hütte seiner Häuptlingsmutter lebt und faul sein Pfeifchen in der Hängematte raucht. Wäre das möglich?

[…]

Mehr dazu erfährst du im Buch Freiheit und die Angst davor, welches im Sommer 2020 erscheint.

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