Die Wahl des eigenen Lebensweges

Manches Mal schauen wir uns um und legen diese Grinse-Maske auf. Es fühlt sich an, als machten wir uns ganz starr. „Nur nicht bewegen“- ist da eine innere Stimme „Alles ist gut, du darfst dich nur nicht rühren“.

Das Glück scheint wie ein Schmetterling, der ganz zart auf unserer Nasenspitze sitzt und gleichzeitig ein Kribbeln auslöst. Ah, upps, bewegt und schon wieder weggeflogen. Nun also wieder ganz still sitzen und nicht aufmucken. Die anderen scheinen es ja auch so zu machen. Warum fühlt es sich bei mir nur so fremd an? Ist dass das Leben? Soll sich so Fülle anfühlen? Bin ich hier wirklich richtig?

Nach einigen Jahren auf der Suche, bin ich selbst gerade an einem Punkt angekommen, an dem ich auf die vergangenen Strecken zurückblicke und mich frage, was ist davon wirklich mein Herzensweg und seit wann habe ich mich eigentlich selbst verlassen? Warum bin ich nicht selbst ein Schmetterling, anstatt ewig zu warten, dass er auf mir Platz nimmt?

Wie kann man vom eigenen Weg abkommen?

„Habe ich mich verlaufen?“, ist da ein vages Gefühl. „Bin ich von meinem eigentlichen Weg abgekommen?“, stellt sich die Frage und: „Was hat mich davon abgehalten, ich selbst zu sein?“

Mein persönlicher Irrweg hatte bereits ganz unschuldig vor sieben Jahren begonnen, nach dem Abschluss meines Bachelors. Erst traf ich eine Entscheidung, die nicht so richtig zu mir passte. Dann folgte ich einem Weg, auf dem ich mir etwas erhoffte, das nicht eintrat. Dann tat ich ein Zugeständnis, das sich später als katastrophal herausstellte. Danach irrte ich ziemlich ziellos durch die Welt, traf ebenfalls Suchende und zusammen wollten wir etwas im anderen finden, dass wir uns ja selbst nicht geben konnten. Als wir uns dessen bewusst wurden, kam wieder ein Wegrennen. Diese Entscheidung sollte ungeschehen gemacht werden, durch eine erneute Flucht. Doch dadurch wurde lediglich das Gegenteil kreiert. Immer tiefer und immer weiter weg von mir selbst, geriet ich in einen Strudel aus Irrungen und Wirrungen, bis zu diesem Punkt, an dem ich nun die Notbremse ziehe.

Nach solch langen Jahren und solch vielen Abzweigungen ist es irgendwann schon egal, vor noch eine Wand mehr oder weniger zu laufen. Denn man steckt in einem Labyrinth aus Sackgassen fest. Was kann man dann tun?

Die Bestandsaufnahme der Irrungen

Das beste was wir tun können, wenn wir uns verfangen und verlaufen haben, ist es: anzuhalten. Tun wir zunächst einmal gar nichts mehr und schauen uns um. Was machen wir gerade? Wo sind wir? In welchem Umfeld stecken wir? Was arbeiten wir? Wie sind unsere Beziehungen? Holen wir Luft und nehmen zunächst das Gegebene an (Dabei ist das Vertrauen in Umbrüche besonders hilfreich).
Nach dem wir uns einen Überblick verschafften, sollten wir uns ehrlich fragen: Vor was sind wir davon gelaufen? Was ist es, dass uns in diese Gasse trieb?

Diese Frage ist leichter gestellt, als beantwortet.

Denn meist verbirgt sie sich hinter der Sehnsucht, der wir nachjagen, etwas Getriebenes, was wir nicht wahrnehmen wollen und lange Zeit nicht konnten. Hier ehrlich zu sich selbst zu sein, kann uns ein großes Stück Klarheit verschaffen und so letztendlich helfen, unsere Verwicklungen zu durchschauen.

Ich war immer auf der Suche nach Zugehörigkeit und auf der Flucht vor der inneren Zerrissenheit. Doch dadurch, dass ich mir selbst nicht erlaubte meine eigene Zugehörigkeit zu entwickeln und sie stattdessen im Außen suchte, geriet ich immer wieder dorthin, vor was ich eigentlich weglief.

Diese Erkenntnis lässt mich schlussendlich bei mir selbst ankommen, denn ich habe meine inneren Verwicklungen erkannt und kann sie dadurch lösen.
Zudem ist klar geworden, dass die eigene Zugehörigkeit sich nur auf dem eigenen Weg entfalten wird. Weshalb die Suche im Außen nie zum eigenen führen wird. Wahrscheinlich sind aber solche Phasen des Wegabkommens im Leben notwendig, um zu verstehen, wer man wirklich ist und wo man sein möchte (verstehe auch den Widerstand als Botschaft).

Den eigenen Platz im Leben einnehmen.

Wir haben nur das eine Leben und können es auch nur selbst leben. Solange wir Trugbildern und blinden Versprechungen nachjagen, verraten wir uns selbst. Was uns abhält, sind oft Ängste oder Zweifel zu versagen, die sich jedoch oft als irrelevant herausstellen. Auch gesellschaftliche Normen und Verordnungen, halten uns lange in Umständen fest, die uns im Grunde gar nicht entsprechen.

Dann wird es besonders wichtig, sich nicht zu sehr von dem Geschwätz der anderen verunsichern zu lassen und in Ruhe in sich hineinzuhören. Ist das, was ich tue, wirklich das, was ich will? Fühlt es sich für mich stimmig an?

Wie viele haben schon Kinder bekommen, weil es „an der Zeit ist“, oder einen Beruf gewählt „weil man das schon immer so in der Familie machte.“ Das mag kurzfristig vor Konflikten schützen, doch langfristig verrät man sich selbst und gibt das eigene Leben zu Gunsten anderer Vorstellungen auf. Möchte man das wirklich?

Wie wissen wir, dass es der eigene Weg ist?

Wir wissen es einfach! Das Wahre liegt oft im Stillen und Einfachen. Wenn sich innerlich keine Konflikte auftun, wenn es kein Zögern, kein hin- und her gibt, wenn wir ganz in uns hineinhören und es einfach gut ist, dann ist es das Richtige. Du weißt es einfach. Die einzige Schwierigkeit liegt lediglich darin, sich nicht von Zweifeln im Außen und von den „das macht man aber so und so“ verunsichern zu lassen. Vertraue auf deine eigene Urteilskraft und lerne in dich hineinzuhören (Durch Bedinungslose Hingabe gibts du dich ganz deinem eigenen Weg hin).

Auch sollten wir die eigenen Ängste betrachten, die immer wieder hochkommen. Was möchten sie uns sagen? Vor was möchten sie uns im Grunde schützen? Sind sie überhaupt notwendig? Stellen wir der Angst Fragen! Versuchen wir, eine Vermittlung zwischen unserer Angst und unserem Willen zum Neuen zu schaffen!

Vielleicht versuchen wir, unser Vorhaben trotz Befürchtungen und wenn es nicht klappt, dann eben nicht. Doch was, wenn alles wunderbar wird. Dann sind wir dankbar, nicht vor unseren Emotionen kapituliert zu haben.

Die Menschen bereuen schließlich mehr das, was sie nicht wagten, als das, was dann doch anders wurde, als erhofft. Vielleicht wird es ja sogar besser 🙂

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