Die Suche in der Sucht

Die Suche in der Sucht

TEXTAUSZUG aus FREIHEIT und die ANGST davor

[…]

All den Beschäftigungen, denen wir krampfhaft nachgehen, all die Mittel, die wir täglich konsumieren, all den Zerstreuungen, denen wir uns hingeben, hinter all dem steckt eine Suche. Doch eine Suche nach was?

Die Sucht geht auf das Wort siechen zurück und ist mit einer Krankheit verbunden. Wassersüchtig war jemand, der an Wassereinlagerungen litt. Tobsüchtig oder mondsüchtig war jemand, wessen Emotionen ins Unkontrollierbare ausschlugen. Das Siechtum hat neben der Krankheit, einen weiteren Ursprung in der Bedeutung saugen.

Jede Sucht saugt an dem Betroffenen

Die Sucht lässt dahin siechen, was einen allmählichen und langsamen Verfaulungsprozess nahelegt. Im Umkehrschluss saugen wir als Süchtige auch an den uns entsprechenden Stoffen. Wir können gar nicht ab davon, immer mehr Nachschub verlangt es, immer neue Arten und höhere Mittel. Wir sickern in unsere Sucht ein und bemerken diesen schleichenden Prozess erst, wenn uns bereits der Hals zugeschnürt ist. Was lässt uns so versinken?

Irgendetwas scheint es in unserem Leben zu geben, dass wir lieber mit diesem Siechtum eintauschen, als dorthin zu schauen, vor was wir uns abwenden. Vielleicht nehmen wir es auch noch nicht wahr.

Das, was wir nicht erkennen, ist unser Schatten und blinder Fleck. Dieses Nichtsehen, ermöglicht es erst, dass wir uns freiwillig in das Siechen begeben, ohne die Polaritäten aus Sucht und Schatten zu bemerken.

Vor was rennen wir weg?

Was wollen wir nicht sehen? Was ist dieser, unser Schatten? Was macht uns blind? Ein Hinweis auf ein unverarbeitetes Thema geben uns immer Dinge, die starke Gefühle bei uns wecken. Wut, Aufgebrachtheit, Trauer, Ärger, Angst und so weiter, sind Triggerpunkte von Themen die noch unentdeckt in uns ruhen.

Auf der anderen Seite liegt die Suche. Wir flüchtigen uns in Süchten, weil sie uns etwas versprechen. Sie geben uns die Illusion von guten Gefühlen, Geborgenheit, Ankommen und Liebe. Doch das ist nur Scheinglück. Sie täuschen lediglich kurzfristig über unsere Schatten hinweg und lassen uns im Grunde wieder zu unsern blinden Flecken zurücksickern. Wir siechen genau dorthin, vor was wir flüchten wollten.

Alle Süchte haben immer etwas mit einer Suche nach Geborgenheit zutun.

[…]

Was steckt im Schatten?

Solange wir nicht die Ein-Sicht haben dort hinzuschauen, vor was wir uns flüchten, füttern wir unsere Schatten. (Der Schatten , ein von C. G. Jung geprägter Begriff,  ist der unbewusste Teil des Menschens.)

Wir wenden eine Menge Energie auf, um diese nicht wahrzunehmen. Diese Energie lässt die blinden Flecke wachsen. Das bemerken wir an der Heftigkeit, die unsere Triggerpunkte anheizen. In diesem Schatten steckt meist eine riesen Trauer, Wut und Hilflosigkeit, die sehr schmerzhaft zu fühlen sind.

Gefühle möchten aber gefühlt werden und solange das zu heftig für uns ist, nähren wir sie noch mehr mit der permanent unterdrückenden Energie. Denn das nach Untenpuschen, lässt diese Gefühle wachsen, bis sie explosionsartig aus uns heraus platzen. Wie ein Flummiball.

Das Paradoxe ist jedoch, wenn wir Ärger, Trauer oder Zorn spüren und uns nur einige Augenblicke zurückziehen und sie bejahend fühlen, lassen sie ganz milde nach. Es ist viel heilsamer und langfristig besser für unsere Beziehungen und das tägliche Miteinander, als dieses kurzfristige Unterdrücken. Denn die Schatten brodeln permanent, während das bejahende Annehmen nur einige Minuten dauert und die dahinterstehende Emotion gelöst wird.

[…]

Wie genau das bejahende Fühlen funktioniert und was emotionale Freiheit in diesem Zusammenhang bedeutet, erfahrt ihr bald in meinem Buch: Freiheit und die Angst davor.

***

Posted on: 29. März 2020styx

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich stimme zu

Meine Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben