Die Stimmigkeit im Anderen

Wir kennen alle diese Aussage: „Was du nicht willst, was dir geschieht, das füge keinem anderen zu.“

Dies gilt nicht nur in Taten, sondern auch durch Worte, Gesten und selbst Gedanken – die bei dem einen oder anderen eh im Gesicht geschrieben stehen.

Vielen ist gar nicht bewusst, dass jeder von uns eine gewisse Macht dem Anderen gegenüber hat. Wir können das Schönste und das Schrecklichste aus unseren Mitmenschen holen, wie sie die Monster und Hoheiten in uns wecken. Das hängt ganz davon ab, mit welchen Intensionen – bewusst oder unbewusst – wir unserem Gegenüber begegnen und wie sie uns.

Welchen Einwirkungen sind wir ausgesetzt?

Wir alle können im Idealfall das Stimmige im Anderen wecken und der Andere das Stimmige in uns. Wir alle haben die Fähigkeit, dass Beste in unserem Gegenüber zu sehen oder eben den Trottel im Anderen hervorzurufen. Falls wir uns für das letzt genannte entscheiden, besteht immer die Gefahr, dass auch der Andere den Trottel in uns weckt. Möchten wir das wirklich? Denn jeder von uns hat einen Teil, der wohl lieber unerkannt bleiben möchte. (Eine Art damit umzugehen ist die Radikale Akzeptanz)

Denken wir zurück an die Schulzeit.

Stellen wir uns vor, wir hatten einen Lehrer im Fach Kunst. Wir liebten es, zu malen und konnten uns stundenlang mit den verschiedenen Farben, Tönen, Nuancen, Figuren, Symmetrien, Winkeln und Formen beschäftigen. Doch jedes Mal, wenn wir dem Lehrer unser kleines Meisterwerk zeigten, schmetterte er es ab und gab uns das Gefühl, der letzte Depp auf Erden zu sein. So etwas musste er auch nicht sehr oft tun, drei bis vier Mal reichten und unsere Motivation dem Malen gegenüber sank beträchtlich.

Wir können das Malen auch mit Rechnen, Schreiben, Forschen, Basteln, Rennen oder dergleichen austauschen. Es ist ganz unwichtig. Wenn jemand stets den Trottel in uns anspricht, antworten wir irgendwann mit ihm darauf.

Solange wir nicht begriffen haben, dass dieser Trottel weniger etwas mit uns zu tun hat, als vielmehr mit dem Sender, verhalten wir uns dementsprechend. Wir sollten verstehen, dass der Absender sich mit aller Wahrscheinlichkeit selbst mit seinem ureigensten Trottel identifizierte und diesen nun nach außen projiziert, ohne sich dessen bewusst zu sein.

In unserem Exempel hat der Lehrer beispielsweise das Kunststudium aufgegeben und fristet seine Tage nun mehr als Dorflehrer in einer nicht so einladenden Gegend. Er lässt die erlebte Unstimmigkeit an anderen heraus, ohne sich seiner eigenen Verantwortung bewusst zu sein und welche Auswirkungen das für sein Umfeld haben kann. (So entstehen Empfindlichkeiten aus Minderwertigkeiten)

Wir sehen, welche Macht Projektionen einnehmen können, wenn diese unbewusst ausgelebt werden. Das gilt nicht nur in Autoritätsverhältnissen wie zwischen Lehrern und Schülern oder Eltern und Kindern, sondern auch zwischen uns Erwachsenen.

Wir können den Trottel in jedem wecken oder die Stimmigkeit ansprechen. Wir sollten uns klar machen, dass wir diese Handlungsmacht besitzen und dadurch jegliche Interaktion beeinflussen.

Was ist Stimmigkeit?

Stimmigkeit beschreibt eine Verfassung, indem ich mit meinem Inneren im Einklang mit dem Äußeren stehe. Ich erlebe mich in den Wechselwirkungen mit den Anderen in Harmonie und stimme in diesem Sinne mit der äußeren Welt überein.

Dieser Gemütszustand umfasst die passenden Teile und fügt sie zu einem Ganzen, die widerspruchsfrei miteinander stimmen. Man könnte es auch als ein ausgewogenes Einssein mit der Welt beschreiben.

Wie wecke ich das Stimmige im Anderen?

Wie nun erkennen wir jedoch das Passende beim Anderen und helfen ihm vielleicht sogar dabei, diesen Einklang in seiner Stimmigkeit zu bekräftigen?

Die Antwort ist ganz einfach:

Indem wir an unseren Mitmenschen glauben. Wir sollten alles ernst nehmen, was der andere sich erhofft und ihn bewegt. Wir sollten unser Gegenüber darin unterstützen, nach was er sich sehnt, wohin es ihn strebt und was ihn antreibt.

Wir sollten das besonders dann tun, wenn wir im Grunde gar nicht damit einverstanden sind oder es uns schwerfällt, uns in den anderen hineinzudenken. Gerade dann sollten wir empathisch handeln und mit unserem Ego zurücktreten.

Wenn wir das Andere wertfrei annehmen, wie es sich uns darbietet und unser Gegenüber in seiner Andersartigkeit bestärken, dann wecken wir das Stimmige in ihm. Als Dank erhalten wir vom Leben oft in den vielfältigsten Gelegenheiten Stimmigkeiten von Anderen zurück, auch wenn diese uns so manches Mal nicht verstehen. Das schönste was wir uns allen im Leben schenken können, ist Annahme und das Gefühl zu passen. (Zum Beispiel durch Bedingungslose Hingabe an den Anderen)

Wir wecken das Stimmige im Anderen, in dem wir den Anderen in seiner Andersartigkeit lassen. Wir können ihn sogar ermutigen und helfen, seine eigene Stimmigkeit ganz zu leben.

Warum sollten wir das tun?

Da das Leben ein perfektes Buchhaltungssystem ist und alles Stimmige in Stimmung bleiben möchte und kommen wird. Eine win-win-win-win (….) win-Situation.. Kurz: Alles was wir geben an Stimmigkeit, kommt wieder stimmig zu uns zurück.

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