Die Regulierung ins Gegensätzliche

Es ist Prüfungszeit. Wir lernen alle wie wahnsinnig. Jedes Detail sitzt, jede Frage kann beantwortet werden, immer und immer wiederkehrende Wiederholungen des Gelernten, lassen uns auf Knopfdruck das Gewünschte hinausspeien.

Zack und es liegt da. Feinsäuberlich, wie wir es uns einhämmerten. Alles ist perfekt strukturiert. Gründlich zusammengefügt und ganz brav geben wir es wieder.

Wir warten.
Und als das Ergebnis kommt, verblüfft es uns dermaßen, dass wir fast die Fassung verlieren. Knapp bestanden? Was? Nur ganz knapp?

Was ist passiert?

Wir wollten etwas zu doll und haben es deswegen verloren. Es ist der natürliche Lauf der Dinge, dass alles in seinen Gegensatz läuft, solange wir es nicht ausbalancieren. Es ist wie die Anziehung und Abstoßung der Plus und Minuspole.

Das zu Rationale wird zum Irrationalen.
Links zu Rechts.
Das Männliche läuft zum Weiblichen.
Die Spießer bekommen einen Punksohn.
Die Hippieeltern umsorgen ihre bürgerliche Tochter.
Die ordentliche Mutter bekommt ein chaotisches Kind.
Der einstig Verstoßene erlangt Ruhm usw.

Alles schwappt in sein Gegensätzliches, solange die Konzentration zu sehr auf einer Seite liegt und nicht in die Balance gebracht wird.

Wenn die ordentliche, angepasste Frau ihren inneren Drang zur Anarchie annehmen würde, könnte der Sohn das Chaos aufgeben und beide finden in Balance zueinander.
Alles möchte sich ständig ausgleichen. Passiert das nicht, entwickelt sich ein stetiges Gegeneinanderwirken dieser Kräfte. (Freiheit erreicht man durch die Entscheidung dazu.)

Dieses Prinzip wird Enantiodromie genannt und wurde von Heraklit aus Ephesos das erste Mal beschrieben. Es ist ein Grundgesetz des Seins und beschreibt den Rhythmus des Lebens.
Heraklit sagte: Panta rhei – „Alles fließt, wandelt und verwandelt sich in sein Gegenteil.“

Wie kommen wir nun aus diesen Extremen wieder heraus?

Ganz einfach: Locker machen!

Das oben beschriebene Beispiel habe ich selbst erlebt. Es war das erste Semester an der Uni und die ersten Prüfungen standen an. Ich lernte wie wild, konnte alles auswendig und bin tatsächlich fast durchgefallen. Ich dachte mir: „Was´n das für´n ***…“
Also habe ich es im nächsten Semester gelassen mit dem verbissenen Lernen. Ich bin natürlich zu jeder Veranstaltung gegangen und habe mir meine Notizen angefertigt, doch habe ich mir das allzu Verbissene verkniffen.

Ich habe nichts mehr auswendiggelernt und mir lediglich vor der Prüfung meine Notizen kurz durchgelesen. Ich ließ während der Klausur meine Intuition entscheiden, welche Antwort wohl richtig sein könnte und siehe da, ich habe fortan nur noch einsen und zweier geschrieben.

Ich habe mich also einfach locker gemacht und Dinge nicht zu ernst genommen. Dadurch habe ich das bestmögliche Ergebnis erzielt.

Es klingt paradox, ist aber ein ganz entscheidender Schlüßel zum Erfolg. Denn, etwas erfolgt auf natürliche Weise. Indem ich Dinge loslasse, erlaube ich ihnen, mir zu folgen.

Wenn wir lernen das Leben geschehenzulassen, uns ganz hingeben und aufhören Kontrolle oder Macht auf andere und jeglichen Umständen auszuüben, kommen wir ganz in den Fluss und balancieren uns aus. (Das erreichen wir zum Beispiel durch Bedinungslose Hingabe)

Wir müssen loslassen, damit unser Glück einen Platz zum Landen findet. Es ist wie mit einem Ballon – wenn dieser die ganze Zeit schön brav an der Schnur gehalten wird, kann er sich ja auch nicht mit dem Wind verbinden, er ist ja bereits gebunden, an meine Hand(-habung). Er lebt gar nicht sein Potenziel, er fliegt nicht. Das ist aber sein Zweck.

Wie können wir loslassen?

Indem wir einfach loslassen. JETZT.
Und, in dem wir Vertrauen, dass Dinge ihren Zweck erfüllen und das Richtige zu uns kommt und bleibt.

Das Schöne am Leben ist, dass alles auf uns zu kommt. ALLES. Das einzige, was wir tun müssen ist loslassen, damit es landen kann.

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