Die Narzisse

Stolz blühst du uns zu aller Freude,
stark ist dein Antlitz und lächelt uns an.
Nichts an dir scheint vergeudet,
Leicht und fröhlich trittst du an uns heran.

Deine funkelnden Augen lassen drauf schließen,
Deine Bewunderung scheint so naiv.
All dein Lob willst du über uns vergießen,
Und es sammeln sich, die Geister, die du riefst.

Als sich der Zauber des Beginns, allmählich und ganz leise legt.
Erwacht in dir ein entschlossenes Begehren,
dass es uns, durch deine Pracht, alle Sinne verweht.
Und wir sollen nur noch dich verehren.

Nach einigen Weilen, des grandiosen Blühen.
Möchten wir uns wieder anderen zu wenden.
Doch das ist schwer, für dich zu fühlen,
Und du schaffst es kaum, deine Darstellung zu beenden.

Die Unerträglichkeit der Nichtbeachtung,
macht dich ganz starr vor Wut.
Du schwankst über in Verachtung,
Und deine Gestalt steht in voller Glut.

Nun wirst du uns Strafen,
für unsere vermeintliche Ignoranz.
Wir sollen dich nicht entlarven,
Und huldigen einzig deinem Glanz.

Einige werden dir noch Zufuhr geben.
Doch für die meisten ist es aus,
Jeder möchte sein Eigen leben,
Ganz aus sich selbst heraus.

Deine Schönheit wird immer blasser,
Und du vergehst in deiner Scham.
Deine Drohungen werden zwar krasser,
Aber tun uns keinen Harm.

Am Ende vergehst du ganz einsam,
Und hast es nie verstanden.
Deine Schönheit blüht auch ohne Beisam,
Nur die Liebe zu dir selbst kam abhanden.

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