Die Nähe

In ihrer Nähe hattest du immer das Gefühl zu ersticken.
In welcher?
Bei ihr?
Ja.
Sie war im Krieg.
Ihr Leben lang war sie innerlich im Krieg.
Sie war auf der Flucht.


Panik.
Enge.
Atemnot.


Sie war so vereinnahmend, so wütend die ganze Zeit, so unberechenbar.
Die Stimmung konnte blitzartig umschlagen.
Eine falsche Geste, ein vermeintlich falsches Wort und sie spie ihre Abwertung über alle aus.


Von klein auf konditionierte sie mit Blicken, Gesten und Gebärden, sodass du ständig in Deckung lebtest.
Die ganze Umgebung war derart angespannt, nie konnte irgendjemand, so sehr es auch versucht wurde, ihr etwas recht machen und sie attackierte.


Sie schlug.
Sie brüllte.
Sie erpresste.
Sie log.

Sie war die Hölle.
Warum?
Sie lebte im Kampf.
Weil Sie ihren Krieg nie vergessen konnte. Sie ließ nicht los. Sie kämpfte. Aber gegen was?


Dann trafen wir uns.

Wir verstanden.
Und mussten doch wieder gehen.
Diese Nähe war einfach unerträglich.
Die Sehnsucht nach dem Du, lässt die Menschen die waghalsigsten Dinge glauben, nur damit der Hunger nach Vereinigung gestillt wird.

***

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