Der Tanz der Dazugehörigkeit

Ich kannte mal zwei Leute, die hatten beide dieselbe Wunde.
Sie versuchten sosehr zu passen, doch nie in ihre Runde.

Eines Tages trafen Sie sich und konnten nun dazugehören,
endlich Heilung, endlich Anerkennung, wollten sie ewige Liebe schwören.

Sie wurde von der Gegend missachtet, er von zu Hause ausgestoßen.
Zusammen wollten sie die Welt erkunden und sich nicht am Schicksal des anderen erbosen.

Sie heirateten und bekamen Kinder, nun endlich gehörten sie wahrhaftig dazu.
Sie wollten vom anderen, was ihnen fehlte und wirklich innere, vollkommene Ruh.

Doch sie griffen sich in leere Taschen, denn sie suchten Erlösung im Außen.
Sie wollten so sehr passen und strömten unentwegt nach draußen.

Sie war schnell frustriert, denn er gab ihr den Frieden nicht.
Er war ausnahmslos wütend, denn sie weigerte sich ihrer Pflicht.

In aller Tragik mussten Schuldige her, »Warum konnte der andere mich nicht heilen?«
Die Kinder als Sündenböcke dienten schnell, für die ungeliebten Gefühle der beiden.

Sie hatten die Chance, die tiefe Wunde der Dazugehörigkeit zu erkennen.
Doch sie fühlten ihre Wahrheit nicht und begannen sich ernsthaft zu verrennen.

Sie wurde hart und unerbitterlich,
Er dagegen passiv und weinerlich.

Sie tanzten den Tango aus Nähe und Distanz,
bis er sich ganz entfaltete in unendlicher Ignoranz.

Heute, nach vielen Jahren, ist dieses Fest längst nicht ausgetanzt.
Denn beide haben nie begriffen,»Angst ist tief im Selbst verpflanzt.«

So entwickelten sie Strategien, um ihr Drama nicht zu spüren.
Er als strahlender Held und Retter, Sie als kluge Königin, will sich küren.

Auch wenn sie längst getrennt scheinen, so brauchen sie sich noch auf ihren Wegen.
Um an ihrer alten Wunde der Dazugehörigkeit, die Schuld dem anderen zugeben.

Am Ende leben Sie genau das, was sie einst durch ihrer Herkunft schrecklich erlitten.
Die Wunde heilt nie, wenn sie nicht ehrlich um Aussöhnung bitten.

In all ihrem Schmerz haben Sie es niemals ganz verstanden,
Heilung geschieht im Selbst und kann erst dann beim anderen landen.

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