Den Umwegen eine Stimme geben

Den Umwegen eine Stimme geben

Name: Laura Sattelmair
Alter: 25
Tätigkeit: Sprecherin, Studentin, Journalistin
(Aktueller) Ort: Augstburg

Laura macht Podcast. Sie mag es anderen eine Stimme zu geben. In #sieerzählt einem Kurzgeschichten-Podcast, stellt sie außergewöhnliche SchriftstellerInnen vor. Im #bittewenden Podcast spricht sie über den „Roadtrip zum Erwachsenwerden“, mit seinen Wendungen, Irrungen, Wirrungen, Verlieren und sich einfach selbst finden.

Ich selbst hatte das Vergnügen an Lauras Podcast teilzunehmen! Sie vertonte meine Kurzgeschichte Palermo Hollywood und wir sprachen zusammen im Interview über styxme und das Leben. Neugierig? Dann schau mal HIER

Danke Laura für unser wundervolles Gespräch und dein inspirierendes Schaffen!

Fragebogen

1. Wann hast du dich dazu entschieden, dieses Leben (welches du jetzt lebst) zu leben?
Gab es dazu einen auslösenden AHA-Moment?

Mein jetziges Leben ist zum großen Teil – wie wohl bei vielen anderen auch – ein recht chaotisches Zufallsprodukt. Glück, Fleiß und hier und da mal ein Arschtritt von FreundInnen. Aber wahrscheinlich war die Entscheidung für ein Studium, die schwerwiegendste und hat mich dahin gebracht, wo ich gerade stehe: teilweise am Rande des Wahnsinns und manchmal auf alles pfeifend vor meinem Mikro.

2. Was begeistert dich an deinem Tun?

Auch wenn es pathetisch klingt: Ich mag es, etwas für mich „Schönes“ zu kreieren. Mein liebstes Werkzeug ist dabei nach wie vor die Stimme. Auch wenn ich noch am Anfang meiner stimmlichen Ausbildung stehe und noch lange nicht so gut bin, wie ich gerne wäre – Ich finde, es hat seinen ganz eigenen Zauber, mit der eigenen Stimme etwas zu formen das „schön“ ist. Wenn es dann noch – Achtung, der Kitsch lässt sich hier wohl kaum vermeiden – „wahr“ ist, dann bin ich begeistert. Schön und wahr sind meiner Meinung nach Dinge, die unsere Gesellschaft voranbringen, weil sie den Einzelnen erreichen.

3. Was ist deine größte Angst?

Andere und mich selbst zu enttäuschen. Wenn ich alt und runzelig bin, möchte ich zufrieden auf mein Leben zurückblicken können.

 4. Wo möchtest du unabhängig sein?

Zumindest bei diesem Weg bin ich mir sicher, dass ich ihn weiter gehen werde: Ich möchte die berufliche Freiheit haben, eigene Ideen umsetzen zu können. Ich wäre auch gerne unabhängiger von dem Gedanken, anderen gefallen zu müssen.

5. Was bedeutet für dich Freiheit?

Mein Leben so gestalten zu können, wie ich es möchte und brauche. An Projekten arbeiten zu dürfen, hinter denen ich voll und ganz stehe. Sich Auszeit zu nehmen, wenn ich es brauche.

6. Was ist deine Lieblingsbeschäftigung?

Im „Tunnel“-Sein. Ganz selten beim Zeichnen, öfter beim Basteln an Audios. Für meinen Geschmack komme ich viel zu selten in diesen „Flow“, wie ihn viele nennen. Ansonsten verbringe ich erschreckend viel und gerne Zeit damit, meine Pflanzen zu bemuttern.

7. Welches Tier wärst du gern und warum?

Ich liebe diese Frage. Ich stelle sie auch oft in meinen Podcasts – und beantworte sie nicht weniger oft und recht unüberlegt mit: „ein Otter“. Die sind einfach drollig, können tolle Tricks mit Steinchen und schwimmen so quietschfidel durchs Wasser, dass ich als Schwimmniete schon recht neidisch werde.

Wenn ich die Frage allerdings mal ernst nehme, kommt wohl ein anderes Tier heraus. Dann wäre ich wohl ein Spatz – Wer würde nicht gerne fliegen können? Und schön singen? Außerdem baut sich der Spatz immer wieder ein neues Nest. Ich bin schon oft in meinem Leben umgezogen und habe zumindest darin schon Übung.

8. In welcher Art von Miteinander möchtest du leben?

In der Medienbranche und in der „Kreativszene“ beobachte ich immer wieder ein trauriges Phänomen: Viele sehen einander als KonkurrentInnen an. Machen sich vor den Leistungen anderer klein. Vor allem uns Frauen scheint dieses Kompetitive und Vergleichende irgendwie eingetrichtert worden zu sein. Ich möchte in einem Miteinander leben, in dem sich jede/r gegenseitig bestärkt; in dem sich niemand als Konkurrenz sieht, sondern als Inspirationsquelle.

Ein Miteinander, in dem jede/r akzeptiert wird, unabhängig davon, wie er/sie aussieht, was er/sie leistet oder tut, um gemocht zu werden. Wir sollten aufhören, uns selbst darüber zu definieren, wie wir gesehen werden. Ich glaube, wenn die Ebene des Profilierens und „Erkämpfens von Anerkennung“ überwunden ist, fängt ein liebevolles und ehrliches Miteinander an.

9. Wer sind deine drei Helden?

Meine Tante. In einem Elternhaus, in der ein Kind bloß eine weitere Arbeitskraft war, die Hausaufgaben – wenn überhaupt – nach der Stallarbeit zu erledigen waren und man sowieso nichts zu sagen hatte, hatte sie die Stärke, ihren Geschwistern Mut zu machen. Sie hat ihnen nicht nur mit den Schularbeiten geholfen, sondern hat sie auch über Sex und Menstruation aufgeklärt. In einer Zeit, in dem das ein noch größeres Tabu als heute ist. Ich finde das bis heute unglaublich stark und mutig.

Maria de Medeiros. Weil sie eine wundervolle Schauspielerin ist und mich vor allem mit ihren Monologen verzaubert hat.
Auch meine Eltern, die Autorin Sophie Passman, die Künstlerin Zainab Fasiki, Personen aus meinem Freundeskreis… Ich könnte mit den Namen meiner Helden noch einige Seiten füllen.

10. Von welchem Ereignis in den letzten zehn Jahren kannst du sagen, dass es dein Leben verändert hat (oder zumindest deinen Blick da rauf)?

Nach dem Abitur habe ich wie viele in meinem Alter die Koffer gepackt und bin ins Ausland gegangen. Nach Südafrika. Das war eine unglaublich prägende Zeit und hat mich gleichermaßen beflügelt, wie auf den harten Boden der Realität gebracht.

11. Was wünschst du dir für die Zukunft?

Für mich ein erfüllendes Berufsleben und Leichtmut. Und für die Welt, dass wir alle netter miteinander sind, vegan werden (ich meine das ganz unironisch) und die Klimakrise doch noch abwenden können.

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Stimme für Umwege

Mit meinen „jungen“ 25 Jahren habe ich doch einige unterschiedliche Wege eingeschlagen, „Umwege“ genommen. Nach meiner Ausbildung zur Hörfunkredakteurin, nach sechs Jahren als Radiomoderatorin und Journalistin, habe ich vor drei Jahren ein Kunststudium angefangen und den Radiojob an den Nagel gehangen, um bei dem Kultursender ARTE reinzuschnuppern und meine Podcasts zu starten. Kurswechsel, ein paar zumindest.

Wenn mich jemand fragt, was ich eigentlich mache, komme ich daher noch ins Straucheln. Was genau mache ich denn jetzt? Und wie möchte ich in Zukunft darauf antworten können? Sich dabei noch unsicher zu sein ist überhaupt nicht tragisch – zumindest so lange man nicht seine eigene Identität darin sucht. Oder suchen muss. Übrigens sage ich meistens einfach: Studentin.

Zurzeit studiere ich Kunst. „Kunstpädagogik“, um es genau zu nennen. Unser Dozent hat uns von Anfang gesagt, wir sollen das „Pädagogik“ unter den Tisch fallen lassen. Ich kann ihn verstehen – so wirklich Pädagogik hatte ich in meinen sechs Semestern so gut wie gar nicht. Dafür aber freie Hand in was ich mich vertiefen möchte, was genau ich lernen und machen möchte. Alles praktisch. Ein solches Studium geht wohl gleichermaßen mit Erfolgserlebnissen und tollen Bekanntschaften, wie auch mit Selbstzweifeln und Wutausbrüchen einher.

Ich kann mich noch nicht einordnen und weiß, dass ich das auch noch nicht muss. Ein Luxus, den ich noch genieße – Es gibt schließlich immer spannende Umwege zu gehen. Bereut habe ich keinen meiner bisherigen Kurswechsel. Weder, dass ich meinen Studienplatz in Mediendesign für das Radio aufgegeben habe, noch dass ich das Radio für meine Podcasts vorerst aufgegeben habe. Denn an sich bin ich mit dem, was ich gerade tun darf zufrieden. Ich habe die Freiheit, verschiedene Dinge auszuprobieren und meinen „Weg zu finden“.

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www.laurasattelmair.de 

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Posted on: 10. Mai 2020styx

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