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Die Suche in der Sucht

TEXTAUSZUG aus FREIHEIT und die ANGST davor

[…]

All den Beschäftigungen, denen wir krampfhaft nachgehen, all die Mittel, die wir täglich konsumieren, all den Zerstreuungen, denen wir uns hingeben, hinter all dem steckt eine Suche. Doch eine Suche nach was?

Die Sucht geht auf das Wort siechen zurück und ist mit einer Krankheit verbunden. Wassersüchtig war jemand, der an Wassereinlagerungen litt. Tobsüchtig oder mondsüchtig war jemand, wessen Emotionen ins Unkontrollierbare ausschlugen. Das Siechtum hat neben der Krankheit, einen weiteren Ursprung in der Bedeutung saugen.

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Freiheit im Wandel

TEXTAUSZUG aus FREIHEIT und die ANGST davor

[…] Im Mittelalter hielt lange die Debatte zwischen der Vereinbarkeit von Freiheit und der Allmacht Gottes an. Freiheit schloss das Freisein im eigenen Willen ein, wodurch man davon ausging, dass das Böse durch seinen freien Willen entstand.

Nach Augustinus, einem Bischof von Hippo im vierten Jahrhundert n. Chr. und Gründer des Augustinus Orden, hatte das Böse seinen Ursprung im Wollen der Menschen.

Diese Vorstellung hielt sich lange und hartnäckig und erklärt vielleicht, warum in der sogenannten schwarzen Pädagogik zum Ende des 19. Jahrhunderts, in den Kindheitstagen Hitlers, der Willen der Kinder gebrochen werden musste

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Mara – der gewisse Punkt

„Ab einem gewissen Punkt gibt es keine Rückkehr mehr. Dieser ist zu erreichen“, KAFKA

Mara ist die Geschichte des gewissen Punktes.

Ein existenzielles ver-rücken in sieben Akten.

Mara durchwandert sieben verschiedene Seinsebenen. Durch das Leben geworfene Umstände werden zu Zuständen. Immer und immerfort, bis zum gewissen Punkt.

Mara’s Normalität

Erstes Kapitel – Normalität
[…]
Mara schien dieses normale Leben zu führen. Sie war freundlich und zuvorkommend, etwas schüchtern doch nicht verschreckt. Sie war hübsch, doch nicht klassisch schön und darum auch nicht wesentlich auffallend. Sie nahm all die vom Leben vorgeschriebenen Rollen ein: als geliebte Tochter, umsorgende und geschätzte Freundin, als erfolgreiche Studentin. Sie trug das Bild einer herangehenden Frau nach außen, der alle Türen offen stehen und einer die genau weiß, wie sie diese zu öffnen hat.
[…]
Aus diesen ersten Eindrücken heraus konnte ich nicht erahnen, an welchem Punkt sie tatsächlich stand oder bis zu welchem Punkt sie tatsächlich gehen würde. Erst später, als mir ihr gewisser Punkt klar wurde, sah ich diese vielen kleinen Punkte, auch Hinweise, die das sichtbar machten, was Mara zu diesem gewissen Punkt trieb. Doch dieser gewisse Punkt ist nicht greifbar, nicht fest fixierbar. Das Gewisse an diesem Punkt, zerstört den Stand des Punktes, lässt ihn schwimmen und darum schwammig werden.
[…]
Der gewisse Punkt entzieht sich jeder greifbaren Instanz. Das Gewisse lässt den Punkt verrutschen. So wie auch Mara verrutscht ist. Aus einem normalen Leben in ein unnormales Leben. Der gewisse Punkt schien sie aus einem festen Standpunkt zu verrücken. Sie wurde verrückt, von einem festen Punkt zu dem gewissen Punkt.
[…]
Heute, nachdem der gewisse Punkt längst überschritten wurde und gestern, als Mara noch das scheinbar normale Leben führte und dazwischen, als die unnormalen Punkte erreicht, und sie das unnormale Leben lebte und als die Übergänge des normalen Punktes zu den unnormalen Punkten und von den unnormalen Punkten zum gewissen Punkt überschritten wurden, verstehe ich diese Punkte erst durch mein eigenes Verrücken.
[…]

Mara’s Sinn

Zweites Kapitel – Sinn
[…]
Die Dunkelheit im Sinne ihres Wesens, die mit ihrer Schwärze die Stadt zur Ruhe zwängen wollte, versagte. Sinnlose Hektik, sinnfreies Geschrei und unsinniger Gesang begannen zu herrschen. Aus jedem Winkel drang ein Sog der Nacht in die hitzigen Köpfe der Ausgehwilligen ein und dieser Drang trieb durch die Straßen, wie einst ein Heer zum Angriff. Überall wehte diese Brise des Übermuts, nur dort nicht, wo Mara sich befand. Sie war nirgends.
Von der Menge umgeben und doch allein. Sie saß in einem Schlafzimmer aus klinisch weißen Wänden fest, in der Mitte ein Bett mit alter ausgewaschener blauer Bettwäsche.
Der Pappkasten mit Briefen aus früheren Korrespondenzen erinnerte sie an die schon längst erloschenen Stimmen. Selbst die Regale aus Spanplatten, die wacklig dem Boden entgegen sanken, besaßen noch mehr Kraft, als sie es verspürte.
Solche Betrachtungen ihrer Umgebung endeten meist damit, dass sie müde den Blick aus dem Fenster richtete und den alten Baum anstarrte, der sich sanft mit dem Wind wog. Stets dieser leichten Bewegung der Krone folgend, sah sie die sinnlose Ewigkeit und stellte sich eine sinnvolle Endlichkeit vor. In diesem Wippen verstand sie die Zwänge, die das Leben Auf und Ab trieben, und wünschte sich die Freiheit eines bewusst sinnvollen Lebens
[…]
Ein fortwährend verflechtendes Kreisen verwickelte sich unaufhörlich zu einer sinnfreien Phantasiespirale. Sinnlose Fragen drehten sich und sinnlose Fragen gerieten wiederkehrend tiefer in einen sinnfreien Sog aus unsinnigen Zweifeleien und zu einem späteren Zeitpunkt, gerieten diese sinnlosen Fragen fortwährend in einen sinnfreien Sog aus berechtigten Zweifeln.
In dem damals gegenwärtigen Zeitpunkt erträumte sich Mara unsinnig verwischende Szenarien. Gigantische Luftschlösser gebaut aus flehendem Wunschdenken, enthielten unsinnig leugnende Darstellungen.
[…]

Mara’s Gewöhnung

Drittes Kapitel – Gewöhnung
[…]
Wie gewohnt betrachtete sie die gewöhnliche Klinge auf ihrer Haut, doch entgegen ihrer Gewohnheit, denn für gewöhnlich endete die ungewöhnliche Betrachtung der unbenutzten Klinge mit einem staunenden Starren auf ihrer Haut, gab sie nun ihrem ungewöhnlich drängenden Impuls nach und stach fest zu.
[…]
In dieser damals gegenwärtigen Betrachtung vernahm sie keine gewöhnlich hämmernden Gedanken und sie vernahm keine ungewöhnlich verstörenden Gedanken. Mara dachte entgegen ihrer Gewohnheit nicht nach und sie dachte entgegen ihrer Gewohnheit an Nichts.
[…]
Ungewöhnlich schwungvoll und ungewöhnlich fest schnitt sie sich mit der gewöhnlichen Klinge in den linken Oberschenkel und sie schnitt sich ungewöhnlich schwungvoll und ungewöhnlich fest mit der gewöhnlichen Klinge in den rechten Oberschenkel. Bei der ungewohnten Betrachtung dieser Schnittverletzungen verspürte sie einen ungewöhnlich brennenden und einen ungewohnt zerrenden Schmerz in den ungewohnten Schnittstellen. Sie sah, wie ihre Haut sich aufklaffte und sie sah, wie quellende Blutstropfen stoßartig aus den ungewohnt aufklaffenden Wunden schossen.
Abermals stach sie ungewöhnlich schwungvoll in ihre Oberschenkel und wiederholend stach sie ungewöhnlich kraftvoll in ihre Oberschenkel und wiederkehrend stach sie ungewöhnlich ruckartig in ihre Oberschenkel und fortwährend stach sie ungewöhnlich fest in ihre Oberschenkel und fortlaufend stach sie ungewöhnlich schnell in ihre Oberschenkel und derartig entrückt stach sie immer und immer wieder ungewöhnlich ausholend in ihre Oberschenkel und auf ungewöhnliche Weise verspürte sie keinen gewöhnlich Schmerz.
Ihre Beine, die zu diesem damals gegenwärtigen Zeitpunkt etwa fünfzig ungewohnte Schnittverletzungen trugen, schienen ihr ungewöhnlich, ja beinahe ungewohnt, als gehörten diese nicht länger zu ihrem eigenen Fleisch und Blut.
Das ungewohnt wallend fließende Blut aus den ungewöhnlich tief klaffenden Schnittstellen an ihren Oberschenkeln tupfte sie behutsam mit gewöhnlichem Toilettenpapier ab und sie spürte keinen gewöhnlich brennenden Wundschmerz. Sie verspürte so geartet keine gewöhnlich Einhalt gebärdende Angst und sie fühlte folglich keine niederdrückend oder gewöhnliche Ohnmacht, denn sie spürte eine ungewöhnlich durchdringende Erleichterung und sie verspürte eine ungewöhnlich und sehr beruhigende Ausgeglichenheit.
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Mara’s Sicht

Viertes Kapitel – Sicht
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An diesem damals gegenwärtigen Moment stellte sie sich offensichtlich vor, wie das unsichtbar befreiende Nichts wäre und wie der sichtbare Tod sich wohl anfühle und was nach diesem sichtbaren Tod käme, das unsichtbare Nichts?
[…]
Der Asphalt wirkte folglich zu nah, als es der Tod tatsächlich sein würde. Offensichtlich erleichtert zündete sich Mara eine Zigarette an, nachdem sie sich für kein normales Leben sichtbar aus dem Fenster lehnte und sie dachte offensichtlich für kein normales Leben jemals ersichtlich an den befreienden Tod: „Ob in diesem Moment Moritz ahnt, dass ich über einen Sprung nachdenke?“ Mara nahm offensichtlich kräftigen einen Zug von der Zigarette:
„Wahrscheinlich nicht. Würde es überhaupt jemanden interessieren oder würde es jemand bedauern, wenn ich jetzt springe? Klar, sie wären wahrscheinlich überrascht, aber würden sie auch wirklich trauern?“
Trotz ihrer tief vergrabenen Traurigkeit gaben ihr diese für alle normalen Leben nicht sichtbaren Gedanken ein Gefühl von Macht über ihr eigenes, zu diesem damals gegenwärtigen Zeitpunkt noch normalem Leben und somit gaben ihr diese nicht sichtbaren Gedanken offensichtlich ein Gefühl der Gelassenheit.
Gemäß ihrer Gewohnheit richtete sie ihren trostlos scheinenden Blick nach oben zu der Baumkrone des Baumes, der vor dem unnormalen Haus stand und gemäß ihrer Gewohnheit, wenn die Baumkrone sich sichtbar sanft mit dem Wind verband, verfolgte sie offensichtlich gleichmütig dem Wippen der Krone.
Ein offensichtlich zaghaftes Zittern und ein offensichtlich sichtbares Zittern, überschüttete Mara und trieb ihre Haut in ein durchzuckendes Kribbeln, denn der Abend war offensichtlich ein kalter Abend und Moritz, der dieses Zittern offensichtlich bemerkte, fragte: „Was tust du?“

Und Mara sah ihn offensichtlich überrascht an und antwortete: „Nichts.“

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Mara’s Wesen

Fünftes Kapitel – Wesen
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Ein durch das Wesen der Droge ausgelöste Anwesenheit von Nervosität und ein durch das Wesen der Droge ausgelöste Anwesenheit von Intensität trieb Mara zu ihrem neuen Unwesen und sie wurde dem Wesen der Droge entsprechend fortwährend angetrieben und Mara schien es, als stünde sie durch ihr neues Unwesen kurz vor einer innerlich zerreißenden Explosion und dieses Unwesen könne jede Sekunde alles in ihr stürmisch auseinanderzerren und dieses Unwesen könne jeden Augenblick alles wieder heilend fügen.
Das Wesen der Droge packte ihr neues Unwesen und das Wesen der Droge riss ihre schwarz umrahmten Augen auf und das Wesen der Musik riss Mara durch das Wesen der Droge in eine chaotisierende Gefühlswelt und das Wesen der Musik riss Mara durch das Wesen der Droge in allumfassende Harmonien und in reine, pure Lust. Dem Wesen der Musik entsprechend fiel der Bass fortwährend tiefer und fortwährend schwerer und Mara schien es als stünde ihr Kopf, durch die Anwesenheit des tiefen und schweren Basses, vor einem belebenden Ausbruch.
Das männliche unnormale Leben sah offensichtlich das Unwesen, das Mara trieb und er, das männliche unnormale Leben, nahm die anwesende Flasche Wasser und er überschüttete den Inhalt der anwesenden Flasche Wasser über Maras Shirt. Das kalte klare Wasser ergoss sich im Wesentlichen auf ihren Brüsten und das kalte Wasser übergoss sich im Wesentlichen hinab zu ihrem Bauch und es floss im Wesentlichen hinab zu ihrem Schritt und durch das Unwesen, dass das Wesen der Droge mit ihr, Mara trieb kribbelte, ihre, Maras Haut an den Stellen, an denen das Wasser sich ergoss und ihre, Maras Haut kribbelte dem Wesen der Droge entsprechend so ekstatisch das diese Stellen sich in Gänsehaut umschlossen.
[…]
Mara sah nach links und dort sah Mara die Anwesenheit eines schwebenden Frauenkopfes, und dann erblickte sie die Anwesenheit eines in rot getunktes Licht schwebenden Frauenkopf und im damals nächsten gegenwärtigen Augenblick war dieser schwebende Frauenkopf wieder schlagartig abwesend, und im darauf folgenden gegenwärtigen Augenblick war dieser in rot getunktes Licht schwebender Frauenkopf umgehend abwesend, und die Stimmen schienen ihr, Mara wieder zunehmend anwesend und die Stimmen sprachen ihrem Wesen entsprechend weiter, und die Stimmen wechselten ihrem Wesen entsprechend fortwährend ihre Position und Mara schien es als drehten sich diese anwesenden Stimmen gemäß ihrer Wesensart klanglich im Raum.
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Mara’s Bewusstheit

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Denn ihm, Werner fehlte offensichtlich ein bewusstes Gespür für diese unbewusste und diese seltsame Verschwiegenheit. Um seine unbewusst erahnte Unsicherheit folglich zu überlisten, sprach er, Werner bewusst weiter und Werner stellte bewusst weiter lächerliche Fragen und unbewusst drehten sich diese bewusst gestellten Fragen um dieselben unbewussten Dinge.
[…]
Das Bewusstsein ist ein Wissen über Dinge, die bewusst wahrgenommen werden und das Bewusstsein von objektiven Dingen kann durch Ereignisse und Tatsachen wahrgenommen werden und das Bewusstsein von subjektiven Dingen kann wahrgenommen werden, in dem Dinge reflektiert werden und diese Dinge können konkrete Verhaltensweisen sein und sie können konkrete Handlungen sein und diese können konkrete Gedanken sein, die durch bewusstes Wahrnehmen bewusst wahrgenommen werden können.
[…]
Mara schrie Moritz halb bewusstlos an und Mara schrie unbewusst ins Nichts und sie schrie ohne bewusst darüber nachzudenken, was sie zu diesem damals gegenwärtigen Augenblick tat. Ihre zuvor angefertigte bewusstlose Welt aus illusorischen Träumereien und ihr zuvor hervorgerufenes fatal neuverliebtes Bewusstsein, zerbrachen sich in bewusstlose fesselnde archaische Emotionen und Mara war diesen bewusstlosen kettenden animalischen Gefühlen völligst willenlos ausgeliefert und sie konnte diese bewusstlos entfaltende Emotionen nicht mehr bewusst steuern und sie konnte diese damals gegenwärtig triebhaft vernebelnde Wut und diesen damals gegenwärtigen triebhaft entschleiernden Zorn nicht fassen und diese bewusstlose verzehrende Wut und diesen bewusstlos packende Zorn konnte sie nicht greifen und Mara wusste nicht wohin mit diesen bestialischen Emotionen, denn das Offensichtlichste war für Mara nicht bewusst möglich.

Mara’s Wert

Siebtes Kapitel – Wert
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Sie lebte nun vollkommen lautlos in einer normalen Wohnung und nach außen hin lebte sie ein langweiliges normal schaffendes Leben, dass die grotesken Stufen des Daseins durchschreitet, um weiter fortwährend fortzuschreiten von einer scheußlichen Normalität hin zu einer anderen Gewöhnlichkeit. Doch im Inneren lebte Mara ein unnormales Leben und innerlich lebte sie bereits in einer versunkenen unnormalen Welt.
[…]
Mara war sich zu dieser damals gegenwärtigen Zeit noch nicht bewusst was der Wert eines unnormales Leben für sie darstellen könnte und Mara war sich folglich in diesen damals gegenwärtigen Momenten noch nicht bewusst, wie sie den Wert einer unnormalen Welt für sich erkannte, denn Mara befand sich noch im Werden, denn Mara hatte die ersten Punkte eines normalen Lebens nötigerweise überschritten und Mara hatte erste Punkte eines unnormalen Lebens erreicht und Mara befand sich zu dieser damals gegenwärtigen Zeit in einem wundervollen Übergang von den überflüssig normalen Punkten eines resigniert normalen Lebens zu den großartigen unnormalen Punkten eines erhabenen unnormalen Lebens.

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