Bedingungslose Hingabe

Wir wachen auf und beginnen den Tag.
Wir legen uns nieder und kommen zur Ruh.
Wir stehen auf und gehen unseren Tätigkeiten nach.
Wir kommen zu uns selbst und gehen aus uns heraus.

Warum tun wir das?

Worin liegt der Gehalt in diesen Rhythmen, die wir täglich schaffen? Was haben wir davon? Was ist das Leben jenseits aller Notwendigkeiten?

Was ist der Sinn unserer Existenz?

Für Nietzsche bestand er darin, einen Zweck im Dasein zu schaffen. Dieser Daseinszweck ist lebensnotwendig, um der sinnentleerten Wirklichkeit zu entfliehen. Zugegeben, Nietzsche war nicht der freudigste Zeitgenosse, dennoch trifft er einen Punkt, der heute noch sehr schlüssig ist. Wenn Gott tot ist, wie Nietzsche laut ausruft, was haben wir dann noch? Welche Orientierungspunkte sind uns gegeben, wo halten wir uns fest, wenn unser innerer Ozean in Sturm gerät?

Wir haben die freie Wahl !

Wir können unseren Halt frei wählen. Das ist unsere ureigenste Sache und diese Wahl ist gerade die weitreichendste Entscheidung, die wir für uns treffen können. Und wir haben die Freiheit, sie in jedem Moment und zu jeder Zeit neu zu treffen. (Eine Methode ist die Radikale Akzeptanz)

Wir haben die Verantwortung, uns einen Sinn zu geben und für Nietzsche bestand dieser Sinn in einem Zweck.

Was könnte der Lebenszweck sein?

Für manche ist es der Dienst am Anderen. Viele Sozialarbeiten, Lehrer, Pädagogen und Erzieher finden sich in diesen Tätigkeiten wieder. Für wieder anderer ist es der Dienst an der Umwelt, an der Gemeinde, für die Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Familie, Freunde, Unternehmen usw. Das ist natürlich ganz individuell.

Was uns alle eint, ist die Freiheit, eine Wahl zu treffen. „Wir sind zur Freiheit verurteilt“, wie Satré einst laut ausrief. Denn wir haben immer eine Wahl.

Solange wir Hin- und Herwanken oder uns nie bewusst sind, welchen Zweck wir erfüllen können, treiben wir wie ein herrenloses Boot auf den Meeren unserer menschlichen Möglichkeit umher. Auch diese Wahl haben wir. Sehr wahrscheinlich ist es dann sogar, dass andere uns einfangen und für ihre Zwecke nutzen – bewusst oder unbewusst, wir entscheiden uns dazu. Möchten wir das wirklich? (Wir  erleben unsere Freiheit durch Entscheidung)

Haben wir dann diese entscheidende Wahl getroffen und wurden uns klar darüber, wohin ich mein Leben ausrichte, kommt natürlich die Frage auf: Wie gehe ich nun mit meinem Zweck um? Kierkegaard gab dazu eine zweckerfüllende Antwort:

„Sei ein Ritter, lebe leidenschaftlich“

Als 30-jähriger Mann erfuhr Kierkegaard das erbarmungslose Leiden einer Ver- und Entlobung, was eine Reihe seiner größten schriftstellerischen Ideen auslöste. Bis zur existenziellen Verzweiflung getrieben, schrieb er, jeder Mensch sei ein „Frosch im Sumpf des Lebens“ und ein „Knecht des Elends“ wer sich niemals der hoffnungslosen Verliebtheit hingab.

Niemand hat je wirklich gelebt, der sich nie zum trotze alle Vernunft ganz einer Sache verschrieb. Sei es ein anderer Mensch, ein Projekt, eine Leidenschaft, ein scheinbar unüberwindbares Unterfangen. Es ist ganz gleich. Wenn man für ein Ding brennt, sollte man diesem Feuer nachgehen und das Lodern zum Brand führen.

Besonders und gerade dann, wenn andere es für verrückt halten. Dann weiß man mit guter Gewissheit, dass man auf seinem Weg ist.

Es ist schließlich dein persönlicher Pfad, woher sollten auch die Anderen wissen, wie er zu betreten ist? Das scheint lediglich verrückt für den äußeren Blick, da es schlicht und einfach nicht der eigene ist. Hunde sehen nur in schwarz/weiß, sie würden uns für wahnsinnig halten, wenn wir ihnen die Farbvielfalt erklären könnten. (Für Inspiration schau hier: Wie neue Wege gelingen)

Das Leben ist dazu da, gelebt zu werden.

Nicht mehr und nicht weniger. Wir sollten aufhören, uns ständig auf eine Warteposition zu setzen und dadurch klein halten. Wir müssen nicht noch dies oder jenes tun, wir dürfen auch JETZT ganz wir selbst sein und LEBEN.

Kierkegaard meint, wer sich niemals bedingungslos und riskant an etwas bindet, führt im Grunde ein bemitleidenswertes Leben und verzweifelt letztendlich an seiner Resignation dem eigentlichen Dasein gegenüber.

Wir sollten dieses wiederkehrende Verurteilen in unserem Denken durchbrechen. Wir versklaven uns, wenn wir uns selbst pausieren und einreden, wenn erst noch jenes passiert, dann darf ich oder ich muss noch diese Eigenschaften entwickeln, dann bin ich ganz und vollständig. Was heißt das schon? Wir sind alle vollkommen und das jeder auf seine Art und in jedem einzelnen Moment.

Also atmen wir tief durch.
Schauen uns einmal im jetzigen Augenblick um.
Wo sind wir?
Was riechen wir?
Was sehen wir?
Was fühlen wir?
Wie schmeckt es?
Was nehmen wir wahr?

Das ist bedingungslose Hingabe an den gegenwärtigen Moment.

Welchen Zweck gibst du dir für alle Momente deines Lebens?
Durch die vollständige, kompromisslose Bereitschaft sich seinem Zweck, Sinn, Aufgabe und Sein ganz hinzugeben, entfaltet sich dein wahres Wesen und lässt dich im Grunde bei dir selbst ankommen. Für einige ist es ein Talent, für manche ein Beruf, für andere die Familie und Kinder. Ganz gleich, wie deine Hingabe aussieht, solange es deine persönliche freie Wahl ist, ist es vollkommen. Könntest du dir ein schöneres Geschenk machen? Wohl kaum.

Sei authentisch, steh zu dir und lebe DICH bedingungslos.

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